Es wird zeit …

Seit Monaten schleppe ich ein paar Erinnerungen in meinen Gedanken mit mir herum, die ich nun endlich loswerden will. Es wird Zeit, das erlebte zu Papier zu bringen. Vor mehr als zwei Monaten befuhr ich morgen so gegen sechs Uhr mit meinem LKW die Autobahn A3 in Richtung Köln. In Höhe der Abfahrt Wedau, sah ich plötzlich eine größere Anzahl von Blaulichtern auf der Gegenfahrbahn. Als ich näher kam, sah ich, dass sich ein Unfall ereignet hatte und etwas Größeres auf der Fahrbahn lag. Ich dachte an ein Tier(ein Reh oder so). Doch als ich näher hinschaute, legten die schon vor Ort anwesenden Feuerwehrleute gerade eine Plane über den Körper der da zerschmettert auf der Straße lag. Rund um den Körper waren kleine Schilder aufgestellt worden, die wahrscheinlich andere durch den Unfall abgetrennte Fundstücke des Körpers markierten. Den Körper konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht als Tier oder Mensch zuordnen. Ich nahm also an, dass es sich um ein Tier(Reh) handelte. So setzte ich meine Fahrt fort und dachte auch nicht weiter über den Unfall nach. Bis eine Durchsage im Radio mich aufschrecken ließ. Es sollte sich um einen Selbstmord handeln und der Körper, der da so zerschmettert auf der Autobahn lag, war eine 50 jährige Frau mit ihrem Hund. Sie soll sich von der Brücke auf die Autobahn gestürzt haben und wurde dann von mehreren Fahrzeugen überrollt. Es durchführ mich ein Blitz, als ich die Nachricht im Radio hörte. Ein menschlicher Körper war es also, den ich da auf der Autobahn sah und nicht ein Reh oder ein anderes, größeres Tier. Eine Frau begann Selbstmord mit ihrem Hund im Arm. Ich stellte mir diese verzweifelte Frau vor, wie sie zitternd vor Angst das Brückengeländer umklammerte, die Augen schlisst, zu sich sagt, “gleich ist es vorbei“ , die Hände öffnet und auf einen schmerzlosen Tot hoffte. Wie viel unvorstellbares Leid und Verzweifelung muss diese Frau in den Tot getrieben haben. Ich mag es mir nicht vorzustellen. Selbstmord als letzten Ausweg zu sehen ist sicher die Endstation eines Lebens, in dem alles aussichtslos erscheint. Natürlich ist die Art und Weise, wie Sie den Selbstmord begangen hat, nicht hinnehmbar und die beteiligten Autofahrer haben selbstverständlich mein Mitgefühl. Aber mein Mitgefühl ist ebenso bei der Toten Frau und ihrem Hund, die nun sicher ihren Frieden gefunden haben.
Jetzt, nachdem ich alles aufgeschrieben habe, bin ich erleichtert und mein Glaube an ein gerechtes, schönes und menschenwürdiges Leben kommt langsam zurück.

Sag mir dass es einen Himmel gibt
Sag mir dass es wahr ist
Sag mir dass es einen Sinn hat
All das Leid, das ich sehe
Sag mir dass es einen Himmel gibt
wo all diese Leute hinkommen
Sag mir dass sie jetzt glücklich sind
Papa sag mir dass es stimmt


Tell me there’s a heaven / Chris Rea